Black Quantum Futurism

Black Quantum Futurism (BQF) wurde 2014 in Philadelphia von Camae Ayewa und Rasheedah Phillips als interdisziplinäre kreative Praxis gegründet. Ihre Arbeit stellt neue imaginäre Verbindungen zwischen Zeit und Raum her und löst sich dabei von den Beschränkungen linearer Verständnisse von Zeit. Ihre Texte, Filme und Performances schöpfen aus diversen Quellen – alternative Zukunftsvisionen, afro-diasporische Zeitlichkeiten, Quantenphysik, zukünftige Wohnentwürfe und spekulative Fiktion. Aus einer Mobilisierung der Vergangenheit entwickeln sie dabei neue Zukunftsentwürfe.

Die beiden Künstlerinnen von Black Quantum Futurism stehen vor einer weißen Wand.

Black Quantum Futurism, 2021, Foto: Chris Stitch

Auf der documenta fifteen ist BQF mit drei Projekten vertreten. Die Clepsydra-Bühne (2022) ist eine interaktive Installation am Ufer der Fulda. Eine abstrahierte Wasseruhr, bestehend aus drei ineinander verschränkten Kreisen, dient als Drehscheibe für Erinnerungen, Visionen und Geschichten. Zwei der kreisförmigen Elemente, die die Bühnenkonstruktion bilden, werden durch das Wasser in Bewegung gesetzt. Unterschiedliche Raum- und Zeiterfahrungen sowie Identitäten treffen aufeinander, das Persönliche überschneidet sich mit dem Universellen.

Konkret öffnet die Arbeit lokalen marginalisierten Communities neue Räume für Ausdruck und Austausch. Als interaktiver Raum konzipiert, wird die Clepsydra-Bühne im Verlauf der documenta fifteen von Besucher*innen aktiviert. Sie reagiert auf deren Bewegungen und bringt unterschiedliche Zeitlichkeiten, Raumgefühle und Identitäten zum Ausdruck. BQF nutzt sie zudem für eigene Konzerte sowie für einen Auftritt des Jazz-Ensembles Irreversible Entanglements von Camae Ayewa.

Auch die beiden anderen Beiträge sammeln und erschließen die Erinnerungen und Erfahrungen des Publikums. Die in der Unterführung Fünffensterstraße / Frankfurter Straße installierte Arbeit Black Grandmother Clock (Oral Futures Booth) (2021) sammelt Audioaufnahmen von Besucher*innen. Ein Fragebogen ermutigt das Publikum, eigene Zukunftsentwürfe zu entwickeln. Geschichten aus der Vergangenheit, die längst aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden sind, können so dokumentiert werden. Vorschläge für weitere Beiträge wie Reden, Lieder oder Klänge aus der Stadt Kassel können bei BQF eingereicht werden. All diese gesammelten Audioelemente sind Teil einer sich entwickelnden Klanglandschaft, die archivierte Klänge, Songschnipsel und Stimmen aus der Nachbarschaft verbindet – sie erklingen aus den Klangskulpturen Sonic Shades (2021). In diesen neuartigen Formen bringt BQF lokale Erinnerungen mit aufkommenden Zukunftsvisionen zu einem einzigartigen Archiv zusammen.

BQF hat eine Reihe von gemeinschaftsbasierten Projekten, Performances, experimentellen Musikprojekten, Installationen, Workshops, Büchern, Kurzfilmen und Zines realisiert, darunter die preisgekrönten Projekte Community Futures Lab und Community Futurism. Sie sind Knight Arts + Tech Fellow der Knight Foundation (2021), erhielten den Collide Residency Award, CERN (2021), waren Velocity Fund Grantee (2018), Solitude & ZKM Web Resident (2018) und Artists-in-Residence im West Philadelphia Neighborhood Time Exchange (2015). Ausstellungen und Performances zeigte BQF unter anderem bei SAVVY Contemporary, Berlin (2021), Manifesta 13, Marseille (2020), Squeaky Wheel Buffalo (2019), Red Bull Arts, New York (2018), La Gaîté Lyrique, Paris (2018), in der Serpentine Gallery, London (2017), im Philadelphia Museum of Art (2017), im MOMA PS1, New York (2017) und in der Bergen Kunsthall (2017).

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