Richard Bell

Richard Bell lebt in Brisbane. Er arbeitet in den Bereichen Malerei, Installation, Performance und Video und ist einer der bedeutendsten Künstler*innen Australiens. In seinem Werk setzt er sich mit den komplexen künstlerischen und politischen Problemen westlicher, kolonialer und Indigener Kunstproduktion auseinander. Einer Generation von Aborigine-Aktivist*innen entstammend, setzt er sich konsequent für eine Politik der Emanzipation und Selbstbestimmung der Aborigines ein.

Richard Bell vor einem seiner Kunstwerke.

Richard Bell, 2018, Foto: Savannah van der Niet, Courtesy Richard Bell und Milani Gallery, Brisbane

Die Aboriginal Tent Embassy – Zeltbotschaft der Aborigines – feierte im Januar 2022 ihr 50-jähriges Bestehen. Es sind Jahre des Widerstands vergangen, seit Aktivist*innen der First Nations ihr Lager unter einem Sonnenschirm vor dem Parlamentsgebäude in Canberra, Australien, aufschlugen. Seit 1972 hat die Tent Embassy kleine Lager auf dem ganzen Kontinent inspiriert.

Richard Bells Arbeit Tent Embassy (seit 2013 fortlaufend) ist ein Teil dieses Erbes. Für die documenta fifteen bringt er das Zelt, das bereits in vielen Ausstellungen zu sehen war, auf den Friedrichsplatz. Tent Embassy soll den kulturellen Austausch, den politischen Diskurs und die Solidarität mit Kämpfen in aller Welt fördern. Alle hier geführten Gespräche werden aufgezeichnet und ins Internet gestellt. Neben lumbung member, lumbung-Künstler*innen und Redner*innen aus ganz Europa lädt Bell auch Digi Youth Arts ein, eine in Meanjin (Brisbane) ansässige Organisation, das die Geschichten und die Führungsqualitäten junger Aborigines und Torres-Strait-Insulaner*innen durch künstlerische Praktiken kultiviert und stärkt.

Neben Bells Protest- und Textgemälde aus den 1970er und 1980er Jahren ist auch eine neue Version seines Duchamp’schen Urinals zu sehen. Metronome zeigt ein kontinuierlich zählendes Zeichen, das die Schulden der australischen Regierung gegenüber den Aborigines von 1901 bis heute anzeigt.

Im Jahr 2023 präsentiert Bell Tent Embassy in der Tate Modern in London. Bell hatte in der Vergangenheit eine Reihe von Einzelausstellungen in wichtigen Institutionen in Australien und Amerika. Er ist in den meisten großen nationalen und staatlichen Sammlungen Australiens vertreten. 2021 zeigte Bell eine umfangreiche Einzelausstellung im Museum of Contemporary Art Australia in Sydney. Im Jahr 2019 nahm er sein zentrales Werk Embassy (fortlaufend seit 2013) als Begleitveranstaltung zur Biennale di Venezia mit. Er präsentierte seine Arbeit unter anderem im Padiglione d’Arte Contemporanea in Mailand (2019), im Gertrude Contemporary, Melbourne (2018), in der Art Gallery of New South Wales, Sydney (2017), und im Stedelijk Museum Amsterdam (2016). Bell war zur 20. Biennale of Sydney (2016) eingeladen, er nahm an der Jerusalem Show VIII teil (2016), an der Performa 15 in New York (2015), der 16. Jakarta Biennale (2015), der 8. Asia Pacific Triennial of Contemporary Art, Brisbane (2015), an Sakàhan, der größten Ausstellung internationaler Indigener Kunst in der National Gallery of Canada in Ottawa (2013) und an der 5. Moscow Biennale of Contemporary Art (2013). 2003 wurde Bell mit dem Telstra National Aboriginal Art Award ausgezeichnet.

Eingeladene Akteur*innen

Alethea Beetson
Sutapa Biswas
Tania Bruguera
Digi Youth Arts
Dave Fernando
Gary Foley
Sylvia McAdam
Alan Michaelson
Josh Milani
Wanda Nanibush
The Black Archives
Vivian Ziherl

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