Working Group

lumbung Currency

Die Working Group lumbung Currency zielt auf die Stärkung und Verbindung der Gemeinschaftswährungen, welche vier der lumbung member entwickelt haben: BeeCoin von lumbung member ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, Cheesecoin von INLAND, Dayra von The Question of Funding und Jalar von Gudskul.

Eine Skizze mit Zeichnungen und Notizen zum Thema Kryptowährung, wie Beispielsweise eine gezeichnete Münze auf der "lumbung coin" steht.

documenta fifteen: lumbung Coin, Harvest von Abdul Dube, 2021

Diese Währungen ermöglichen die Entwicklung eigener Tauschsysteme. Dabei entscheidet die Gemeinschaft über den Wert der Waren. Der Tausch derselbigen basiert auf konkreten Bedürfnissen statt auf abstrakten Werten. In den Jahren vor der documenta fifteen wurden dazu mehrere Workshops mit Akteur*innen organisiert, die bereits erfolgreich Gemeinschaftswährungen entwickelt haben, etwa Grassroots Economics in Kenia sowie mit Paul Seidler und Steph Holl-Trieu, die die Digitale Autonome Organisation (DAO) für den BeeCoin der lumbung member (ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik) mitentwickelt haben.

Aus diesen Arbeitstreffen gingen die nun existierenden Währungen der lumbung member hervor, deren Entwicklungsprozesse teilweise in der Ausstellung nachvollzogen werden können.

Ein Foto welches das Ottoneum im Hintergrund zeigt, davor grüne Wiese auf die aus Holzbrettern eine Bar mit Flachdach und Boden gebaut wurde

documenta fifteen, INLAND, Cheese Pavillon, Kassel, 2022, Foto: Nicolas Wefers

Nach dem Ende der Ausstellungslaufzeit der documenta fifteen sollen die zu diesem Zeitpunkt hoffentlich bereits stärker florierenden Währungen miteinander zusammengeführt werden. So wird ein Tauschsystem zwischen lokalen Communities außerhalb der Bürokratie bestehender Bankensysteme ermöglicht.

Die Gemeinschafts­währungen

ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, Beecoin, lumbung Currency, 2021, Foto: Tomaschko

BeeDAO ist eine Organisation menschlicher und nichtmenschlicher Akteur*innen, die speziesübergreifende Demokratie, das Teilen von Wohlstand und die Produktion von Wissen ermöglicht – mit dem Ziel, das Wohlergehen von Bienen auf der ganzen Welt zu sichern und zu verbessern. Auf Grundlage von Web3-Technologien und Sensoren, die überlebensrelevante Daten von mehr als 15 Bienenstöcken in Kassel aufzeichnen, trifft die Organisation bei regelmäßigen Treffen gemeinsame Entscheidungen.

Als dezentralisierte autonome Organisation (DAO) zeigt BeeDAO prototypisch das Potential einer auf gemeinsame Ziele ausgerichteten Zusammenarbeit menschlicher und nicht-menschlicher Akteur*innen. Bienen und Menschen können BeeDAO beitreten, indem sie Daten zur Verfügung stellen oder eine Mitgliedschaft in Form eines NFT erwerben. Sie können dann Delegierte nominieren, die ihre Interessen vertreten, Vorschläge zur Verbesserung von Bienenleben einbringen und bei der Weiterentwicklung der Organisation, ihrer Charta, ihrer Rituale und dem speziesübergreifenden Teilen von Wohlstand mitwirken.

Gemeinsame öffentliche Treffen finden während der documenta fifteen regelmäßig im ruruHaus statt. Hier gelangen Sie über das Menü zum Kalender.

Ein Foto von einer Auslage mit Lebensmitteln, unteranderem ein runder Käse bei dem bereits ein Stück herausgeschnitten wurde.

documenta fifteen, INLAND, Kassel, 2022, Foto: Nicolas Wefers

Die Cheesecoin wurde ursprünglich als fiktive Währung zur Finanzierung einer Kampagne gegen eine Fernsehproduktionsfirma ins Leben gerufen. Diese kopierte den Namen eines Projekts des lumbung member INLAND für eine Reality-TV-Sendung und drang 2017 in die Räume des Kollektivs ein. Die Währung wurde daraufhin gemeinsam mit der Künstlerin Hito Steyerl entwickelt.

Basierend auf der jährlichen Menge selbst produzierten Käses gibt INLAND eine bestimmte Anzahl von Cheesecoins heraus. Daraus entsteht zunächst eine experimentelle Ökonomie, die sich im Übergang von einer rein spekulativen zu einer realen Wirtschaft befindet. Die Cheesecoin ist damit Teil einer nonlinearen Wirtschaft, die parallel zur kapitalistischen Marktwirtschaft laufenden Nachbarschaftsökonomien nachempfunden ist. Sie ist eng mit einer konventionellen Marktwirtschaft für kollektiv produzierte Waren wie Käse verbunden, nimmt aber auch Anleihen an der Organisationsweise traditioneller Schenkökonomien.

The Question of Funding, Dayra, lumbung Currency, 2022

Das von lumbung member The Question of Funding entwickelte Wirtschaftsmodell Dayra nutzt Blockchain-Technologie für die Zirkulation gemeinsamen wirtschaftlichen Werts. Das Modell geht von der Prämisse aus, dass Einzelpersonen, aber auch lokale Betriebe und Organisationen, die keine finanziellen Mittel haben, trotzdem über Ressourcen (materiell, physisch oder geistig) sowie über Wissen verfügen.

Die Währung ermöglicht somit die Schaffung von Wert für das Gemeinwohl durch den Tausch und die Nutzung dieser non-monetären Ressourcen. Daraus erklärt sich auch der Name Dayra, der auf Arabisch so viel wie „Kreis” oder „Kreislauf” bedeutet. Auf diese Weise umgeht Dayra nicht nur oft restriktive traditionelle Fördermodelle, sondern garantiert eine widerstandsfähige zusätzliche Ökonomie, auf die von Krisen betroffene Gemeinschaften zurückgreifen können.

Dieses Video erklärt die Funktionsweise der Währung Dayra anhand eines Beispiels.

Die Mitglieder der Plattform Temujalar.art verdienen und sammeln digitale Punkte, die Jalar genannt werden, für ihre kollektive Jalar-Geldbörse. Sie generieren Jalar, indem sie mit Ressourcen oder Aktivitäten zur Plattform beitragen. Die Mitglieder können diese digitalen Währungspunkte ausgeben, um an Workshops und virtuellen Veranstaltungen teilzunehmen oder um einen kollektiven Raum zu schaffen. Ähnlich wie beim lumbung Pot (finanzielles Modell im Rahmen der Praxis von lumbung während der documenta fifteen) handelt es sich auch beim Jalar Collective Wallet um einen von Kollektiven verwalteten gemeinsamen Topf.

Als die Covid-19-Pandemie Anfang 2020 begann, gründete Gudskul Temujalar.art als Online-Plattform für Kollektive und ihre Ekosisteme. Sie basiert auf der Annahme, dass Online-Plattformen den Austausch von Wissen über Zeitzonen und geografischen Grenzen hinaus ermöglichen. Auf Indonesisch bedeutet Temu „treffen” und Jalar „ausbreiten”. Temujalar.art richtet sich an Künstler*innen, Kollektive, Kurator*innen, Autor*innen, Musiker*innen, Forschende, Lehrende und Kreative. Ihnen will die Plattform beim Lernen, dem Sammeln von Erfahrungen und dem Austausch von Wissen helfen.

Indem die Working Group lumbung Currency mit diesen nachhaltigen Wirtschaftsmodellen experimentiert, ist sie Teil einer Praxis, die über die 100 Tage der documenta fifteen hinaus weiter bestehen und wirksam sein soll.

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