Das ruruHaus ist das Herz der documenta fifteen. Hier wird die lumbung-Praxis erfahrbar. Schon vor der Eröffnung herrschte im Gebäude ein ständiges Kommen und Gehen, ein Summen aus vielen Gesprächen, Zoom-Konferenzen, Brainstormings und gemeinsamen Kochabenden. Das ruruHaus ist das „Wohnzimmer“ der documenta fifteen. Hier kommt ihr aktuelles, vom Künstler*innenkollektiv ruangrupa erdachtes Konzept zu sich selbst und lässt sich nachvollziehen: Anfang der 2000er Jahre, in der prekären Umbruchssituation nach dem Suharto-Regime, hat ruangrupa damit begonnen, private Wohnzimmer in öffentliche Räume zu verwandeln, um sich dort der künstlerischen Praxis widmen zu können. In Kassel führen sie diese Geschichte mit anderen Mitteln fort – und natürlich brauchen sie dafür mehr als ein Wohnzimmer. Sie nutzen das 1950 eröffnete Kaufhaus an der Ecke Treppenstraße / Obere Königsstraße mit Blick auf Fridericianum und Friedrichsplatz, das zuletzt die Sportarena beherbergte und seit 2018 leer stand.

Im ruruHaus können sich Besucher*innen mit dem Kunstverständnis und der Arbeitsweise von ruangrupa vertraut machen. Dabei lohnt es sich, ein paar neue Begriffe zu lernen: lumbung etwa ist das indonesische Wort für eine gemeinsam genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. Es bezeichnet auch die künstlerische Praxis von ruangrupa, die auf dem Prinzip der Gemeinschaftlichkeit beruht, auf der Idee geteilter Ressourcen.

Deshalb bringen sie im ruruHaus lokale Ekosistems zusammen, die von Menschen, Materialien und anderen lebenden Organismen gebildet werden. Das sind zum Beispiel Kunst-, Soziokultur- und Umweltinitiativen oder andere Netzwerke. Ein zentrales Element soll dabei nongkrong (indonesisch für ungezwungenes Beisammensein und Socialising) sein. Es steht für die Öffnung, für Gemeinsamkeit und für den Austausch von Ressourcen.

So ist das ruruHaus ein Ort in Bewegung. Es ist ein Versammlungsort mit einer Welcome Area, einem Café und einer Arena, die die Möglichkeit für Zusammenkünfte bietet, etwa bei Symposien, Workshops oder Diskussionen. Auch der Ticketverkauf der documenta und zwei Buchläden befinden sich hier.

Das Kollektiv Arts Collaboratory, ein Netzwerk von 25 Organisationen aus Asien, widmet sich im ruruHaus dem Betrieb eines Radiosenders, einer Zeitung, eines kollektiven Workshop-Raums und eines Newsrooms. Das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik ist mit einem Projekt zu Bienen und Kryptowährungen hier vertreten. Und das Kollektiv ook_ verbindet mit einer Installation das eigene ook_visitorZentrum in der Weserstraße 26 mit dem offiziellen Besucher*innenzentrum der documenta fifteen.

Öffnungszeiten

Täglich 10 bis 20 Uhr

Anfahrt

Obere Königsstraße 43, 34117 Kassel

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