Amol K Patil

Amol K Patil ist ein Konzept- und Performancekünstler, dessen Arbeiten in einem fortwährenden Prozess die pulsierenden und vibrierenden Klänge und Bewegungen der sogenannten Chawls freilegen, untersuchen und einfangen. Chawls sind fünfstöckige Häuser, die im frühen 20. Jahrhundert in Bombay, dem heutigen Mumbai, als Sozialwohnungen für Mühlen- und Fabrikarbeiter gebaut wurden. Amol, ursprünglich bildender Künstler, arbeitet heute vor allem an der Schnittstelle zwischen Performancekunst kinetischen Werken und Videoinstallationen.

Ein schwarz-weiß Foto des Künstlers. Er schaut neutral bis ernst in die Kamera, hat dichtes dunkles Harr, etwas Bart und trägt ein dunkles Baumwollhemd.

Amol K Patil, Mumbai, 2021, Foto: Shubham Kamble

Als er sich für Performancekunst zu interessieren begann, setzte Amol sich intensiv mit der Arbeit seines Vaters als Theateraktivist auseinander. Dabei stieß er auf ein altes Diktiergerät, einen Walkman und Kassetten mit Klängen und migrantischen Dialekten, die sein Vater für seine Avantgarde-Dramen über das Leben als Migrant in der Stadt aufgenommen hatte. Zudem entdeckte er handgeschriebene Lieder seines Großvaters, eines Dichters. Die Lieder stehen in der Tradition der Powadas, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Ähnlich wie Rapper*innen spucken die Interpret*innen der Powadas wütende Worte aus, die sich häufig gegen das Kastensystem richten. Amols aktuelle Arbeiten sind eine Fortführung seiner Forschung zur Urbanisierung und zur Unsichtbarkeit der Arbeiter*innenklasse in jüngeren Vorstellungen von Urbanität. Er versucht, eine alternative Erinnerung und widerständige Narrative zu entwickeln, die die Beziehung von Menschen zu Landschaften beschreiben und konterkarieren.

Amols Arbeiten waren zuletzt zu sehen auf der Yokohama Triennale (2020), im Goethe-Institut Mumbai (2019), im Goethe-Institut Neu-Delhi (2019), The Showroom, London (2018), in der Tensta konsthall, Stockholm (2017), im Centre Pompidou, Paris (2017), bei Habit-Co-Habit auf der Pune Biennale (2017), in der New Galerie, Paris (2016), auf der Dakar Biennale (2016), bei Myymälä2, Helsinki (2015), The Japan Foundation, Delhi (2015), und im Stedelijk Museum Amsterdam (2015).

Text von Zasha Colah

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