18.6.2020

Künstlerisches Team: Ayşes Story

Zeichnung von Ayşe Güleç
Daniella Fitria Praptono, Zeichnung von Ayşe Güleç, 2020

Wegen einer familiären Angelegenheit hielt ich mich Ende September 2005 in Istanbul auf.

Zu diesem Zeitpunkt fand die von Charles Esche und Vasif Kortun kuratierte 9. Istanbul Biennale statt. Ich flüchtete vor den familiären Verpflichtungen, setzte mich in die Fähre, um die Ausstellung zu besuchen. Am Ende des Tages kam ich zufällig in den Ausstellungsraum von ruangrupa zum Thema kaos, ein Wort, das im Indonesischen T-Shirt, im Türkischen Chaos bedeutet. Ich erinnere mich noch gut an diverse Poster und T-Shirts von berühmten Personen, die zu Helden gemacht wurden. Ich war begeistert, weil da der berühmte türkische Schauspieler Kemal Sunal dabei war, den ich sehr faszinierend fand.

Zu einer persönlichen Begegnung mit ruangrupa kam es damals in Istanbul nicht, sondern erst viele Jahre später, als die Künstlerische Leitung für die documenta fifteen bekanntgegeben wurde. Ich freute mich sehr über diesen Schritt, da erstmals in der Geschichte der documenta ein Kollektiv als die Künstlerische Leitung ausgesucht wurde.

Im Juni 2019 bekam ich eine Nachricht mit der Frage, ob ich Zeit für ein Treffen mit dem Team habe. In unterschiedlicher Besetzung – mit Ade, Ameng, Reza, Ajeng, Daniela, Sari, farid, Iswanto und Andan – verbrachte ich zwei Tage mit ruangrupa, an denen wir über die Geschichte wie auch über die aktuelle sozial-politische Situation in Kassel sprachen, darüber, wie sich die verschiedenen Stadtteile konstituieren, wer dort lebt und was die Stadteile jeweils erzählen. Wir aßen zusammen und wir besuchten gemeinsam spezifische Orte, trafen uns mit Gruppen und Initiativen. Ich war beeindruckt, mit welcher Aufmerksamkeit, Genauigkeit, aber auch mit welchem Humor sich ruangrupa Themen und Kontexten annäherte. Nach diesem Treffen bekam ich die Anfrage, ob ich als Teil des Künstlerischen Teams mitarbeiten wolle. Eine Woche später antwortete ich mit ja und nahm an dem ersten Treffen des erweiterten Künstlerischen Teams in den hügeligen Regenwäldern in der Nähe von Sukabumi teil. Dort startete das kollektive Denken als Arbeitspraxis, um zu erkunden, was die documenta fifteen sein könne und solle, nicht nur 2022, sondern auch davor und danach.

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Allgemein ruangrupa

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