24.9.2021

Siebte Ausgabe der Gesprächsreihe lumbung calling am 2. Oktober 2021 widmet sich dem lumbung-Wert Regeneration

Ein Wandbild an einer zerstörten Hauswand mit einem Fenster
Redeyef in Tunesien, Foto: Nabil Boutros für Siwa plateforme

Die siebenteilige Gesprächsreihe lumbung calling bildet den Auftakt zum Begleitprogramm der documenta fifteen, genannt Meydan. Jede Ausgabe der Reihe widmet sich einem der lumbung-Werte: Lokale Verankerung, Humor, Unabhängigkeit, Großzügigkeit, Transparenz, Genügsamkeit und Regeneration. Das Format blickt auf den Hintergrund des künstlerischen Ansatzes der documenta fifteen und beleuchtet das Thema lumbung aus verschiedenen Perspektiven. In Gesprächen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gäste geht lumbung calling den zahlreichen Bedeutungen von lumbung über verschiedenartige Disziplinen, Standpunkte und Kontexte hinweg in einem künstlerischen Rahmen nach. Eingeladen werden Akademiker*innen, Aktivist*innen, unabhängige Forscher*innen, Biobäuer*innen sowie Organisator*innen von Festivals – allesamt Akteur*innen, die sich großen Herausforderungen stellten und durch ihr Handeln bedeutsame Veränderungen anstießen.

Siebte Ausgabe von lumbung calling: Regeneration

Die siebte Ausgabe von lumbung calling rückt das Thema Regeneration in den Fokus. Im Rahmen der documenta fifteen wird Regeneration als eine – extraktiven Praktiken gegenüberstehende – Lebensweise betrachtet, als eine Methode der Selbstorganisation und der Organisation von Gemeinschaften. Dazu gehört auch, Zeit und Raum für gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Nachdenken zu schaffen. Sie stellt Fürsorge – die oft ausgeblendet wird – als einen wesentlichen Bestandteil des politischen Aktivismus in den Mittelpunkt und ermöglicht, viele Sichtweisen innerhalb eines größeren Ecosystems einzubeziehen.

Diese Ausgabe von lumbung calling untersucht Regeneration als einen Akt der Verbundenheit mit vorhergegangenen und künftigen Generationen und als Methode, materielle Ressourcen als etwas wertzuschätzen, das vielmehr geteilt und wiederverwendet als angehäuft werden muss. Der marokkanische Philosoph Arafat Sadallah wirft einen Blick auf die Bedingungen und das Erbe von Revolutionen sowie auf Generationenbeziehungen im Kontext seiner Arbeit mit Siwa plateforme im tunesischen Redeyef. Das Künstler*innenduo Gulnara Kasmalieva und  Muratbek Djumaliev thematisiert die Nachwirkungen der Perestroika in Kirgisistan und beleuchtet, wie junge Generationen die Narrative des Widerstands und der Geschichtsschreibung sowohl fortführen als auch erneuern.

lumbung calling findet jeden ersten Samstag im Monat statt. Von April bis Oktober führen die Künstlerin Jumana Emil Abboud und Mirwan Andan, Mitglied von ruangrupa, durch die siebenteilige Gesprächsreihe und begrüßen unterschiedliche Gäste. Die vergangenen Ausgaben widmeten sich den lumbung-Werten Lokale Verankerung, Humor, Unabhängigkeit, Großzügigkeit, Transparenz und Genügsamkeit.

lumbung calling wird digital über die sozialen Kanäle YouTube und Facebook der documenta fifteen präsentiert. Die Veranstaltungen finden in englischer Sprache statt und werden in Gebärdensprache (International Sign) übersetzt. Aufzeichnungen einzelner Veranstaltungen werden anschließend auf der Website der documenta fifteen und YouTube verfügbar sein sowie um deutsche und englische Untertitel ergänzt.

Gäste und Hosts

Arafat Sadallah ist ein marokkanischer Philosoph mit Wohnsitz in Frankreich. Seine Forschung beleuchtet das Konzept der Repräsentation in der arabischen Kunst und im arabischen Denken sowie die Möglichkeiten, die ästhetischen und kognitiven Modalitäten der Repräsentation zwischen den Welten und Kulturen zu übersetzen. Sadallah ist Kurator und Mitglied von Siwa plateforme, einem Raum für künstlerisches und bürgerschaftliches Experimentieren, der versucht, viele Räume – wie etwa L’Economat in Redeyef im Süden Tunesiens – zu entwickeln und zu beleben und ein alternatives Netzwerk für das Denken, Kreieren und Übersetzen zu schaffen. Sadallah ist zudem Mitglied von Exilé.e.s, einem Kollektiv von Künstler*innen und Forscher*innen, die sich mit Fragen des Exils und der Erfahrung des Fremden beschäftigen.

Gulnara Kasmalieva und Muratbek Djumaliev sind ein in Bischkek lebendes Künstler*innenduo. Während ihres Studiums in Russland in der Zeit der Perestroika kamen sie mit internationalen Ideen in Berührung. Zurück in Bischkek experimentierten sie mit Videos und Fotografien, die den Weg Kirgisistans in die Unabhängigkeit und die Einflüsse des sowjetischen Erbes auf Leben und Identität in einer vollkommen neuen Weise darstellen. In kuratorischer und leitender Funktion gehen Kasmalieva und Djumaliev der Aufgabe nach, die kommende Generation zu fördern. Sie gründeten eine Schule für junge Künstler*innen in Bischkek, die von ArtEast betrieben wird, einem gemeinnützigen Kunstzentrum, das sie ebenfalls ins Leben gerufen haben. Sie haben regionale und internationale Ausstellungen kuratiert, Kurse in zeitgenössischer Theorie und Praxis gegeben, Workshops organisiert, Netzwerke geschaffen und Kooperationen initiiert, die es jungen Künstler*innen ermöglichen, mit anderen Kunstschaffenden, Kurator*innen und Kritiker*innen in unterschiedlichen Kontexten in Kontakt zu kommen. Ihr jüngstes Projekt ist die Einrichtung eines Hauses für Artists-in-Residence in einem abgelegenen Dorf in Kirgisistan, wobei die Idee des ökologischen Bauens, der Permakultur und der Zusammenarbeit von Künstler*innen und Aktivist*innen mit der örtlichen Gemeinschaft im Vordergrund steht. Dieses Projekt wird auf der Plattform beuysonoff.com reflektiert.

Jumana Emil Abboud ist Künstlerin, deren kreatives Interesse der Oral History sowie persönlichen und kollektiven Geschichten und Mythologien gilt, insbesondere Volkserzählungen und Orte ihrer An- und Abwesenheit. In ihrer künstlerischen Praxis nutzt sie Storytelling, performative Elemente und Workshop-Methodologien, um das Verhältnis von Zeit und Ort, dem Menschlichen und Nichtmenschlichen zu untersuchen. Durch ihre Beschäftigung mit Erinnerung, Bindung und Enteignung begegnet Abboud dem Ringen um Kontinuität in politischen, ökologischen und kulturellen Kämpfen. Ihre Arbeiten waren unter anderem bei The Jerusalem Show (2018), im BALTIC Centre for Contemporary Art, Gateshead (2016) sowie auf der Sharjah Biennale (2017), der Istanbul Biennale (2015) und der Venedig Biennale (2009) zu sehen. Sie war Resident bei Sakiya – Art/Science/Agriculture, Ramallah, der Delfina Foundation, London, der Arts Initiative Tokyo und im Gästeatelier Krone, Aarau. Derzeit promoviert Jumana Emil Abboud an der Slade School of Fine Art des University College London.

Mirwan Andan ist Mitglied von ruangrupa, der Künstlerischen Leitung der documenta fifteen.

Undine Schäfer ist Gebärdensprachdolmetscherin in Göttingen.

Programm

lumbung calling: Regeneration
Samstag, 2. Oktober 2021, 14.30 Uhr (MESZ), 15.30 Uhr (IDT), 18.30 Uhr (KGT), 19.30 Uhr (WIB)
Mit Arafat Sadallah, Gulnara Kasmalieva und Muratbek Djumaliev
Moderiert von Jumana Emil Abboud und Mirwan Andan
In englischer Sprache, übersetzt in Gebärdensprache (International Sign)
Livestream über Facebook und YouTube

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