Veranstaltung

Let there be lumbung: Talks über lumbung-Praktiken und lumbung über die documenta fifteen hinaus

Ort: ruruHaus Reno-Space (Eingang über Treppenstraße) und im YouTube-Livestream

Sprachen: Deutsch, Englisch

Anfahrt

Let there be lumbung, Zeichnung von Iswanto Hartono, 2022

Die Konferenz Let there be lumbung von Dienstag, 20. bis Freitag, 23. September 2022 im ruruHaus in Kassel bietet im Sinne von nongkrong ein Forum zur Kontextualisierung von Kunstpraktiken durch Gebräuche von lumbung.

Die documenta fifteen lädt ein zur Teilnahme an diesem Austausch über die Praktiken von lumbung sowie deren Rezeption in verschiedenen Kontexten. Die Diskussion behandelt deren Ursprünge, die gesellschaftlichen und historischen Zusammenhänge, Auswirkungen sowie die Potentiale nach der documenta fifteen. Die Konferenz und das gemeinsame nongkrong finden in der letzten Woche der 100-tägigen Ausstellung statt. Sie umfasst eine Reihe von Vorträgen von Wissenschaftler*innen sowie Kulturschaffenden aus verschiedenen Zeitzonen.

Teilnehmer*innen

  • Charles Esche (CEST), Direktor des Van Abbemuseums in Eindhoven, Professor für zeitgenössische Kunst und Kuratieren
  • Hilmar Farid (WIB) (in Präsenz oder online), Historiker und Kulturaktivist
  • John Roosa (PDT), außerordentlicher Professor für Geschichte
  • Nuraini Julistuti (WIB/CEST), translokal praktizierende Forscherin und Autorin mit Schwerpunkt auf Kunstorganisation, Aktivismus, Illegalität und alternative Kulturproduktion in Indonesien
  • Melani Budianta (WIB) (in Präsenz oder online), Professorin für Literatur- und Kulturwissenschaft
  • Nikos Papastergiadis (AEDT), Direktor der Forschungsabteilung zu öffentlicher Kulturarbeit und Professor an der School of Culture and Communication
  • Philippe Pirotte (WITA), Professor für Kunstgeschichte und Curatorial Studies und Kurator

Programm

Dienstag, 20. September 2022

16–16.30 Uhr
Philippe Pirotte: Kontrollvermeidung
16.30–17 Uhr
Q&A

Mittwoch, 21. September 2022

16–16.30 Uhr
John Roosa: Gefährliche Bilder und moralische Panikattacken in Indonesien von 1965 bis heute
16.30–17 Uhr
Q&A
17–17.30 Uhr
Kaffeepause
17.30–18 Uhr
Charles Esche: Die erste Ausstellung des 21. Jahrhunderts
18–18.30 Uhr
Q&A

Donnerstag, 22. September 2022

16–16.30 Uhr
Hilmar Farid (in Präsenz oder online): Die Gezeiten umkehren: lumbung als kulturelle Bewegung
16.30–17 Uhr
Q&A
17–17.30 Uhr
Kaffeepause
17.30–18 Uhr
Nikos Papastergiadis: Die Krise Europas und die Zukunft des Multikulturalismus
18–18.30 Uhr
Q&A

Freitag, 23. September 2022

16–16.30 Uhr
Nuraini Julistuti: Commons People, lumbung als ein Reisekonzept
16.30–17 Uhr
Q&A
17–17.30 Uhr
Kaffeepause
17.30–18 Uhr
Melani Budianta (in Präsenz oder online): Verhandeln über transnationales lumbung
18–18.30 Uhr
Q&A

Kurzdarstellungen der Vorträge

Charles Esche: Die erste Ausstellung des 21. Jahrhunderts
Über die Postapokalyptik des Westens und wie wir in der Gemeinschaft leben sowie die durch den Kapitalismus verursachte Zerstörung.

Hilmar Farid: Die Gezeiten umkehren: lumbung als kulturelle Bewegung

John Roosa: Gefährliche Bilder und moralische Panikattacken in Indonesien von 1965 bis heute
Über die ständige, jahrzehntelange Posse, dass indonesische Staatsbeamte das Auftauchen einiger harmloser Bilder als Beweis für eine unheilvolle Verschwörung gewaltigen Ausmaßes interpretierten. Über ein Umfeld, in dem Bilder suspekt sind und übertriebene Auswirkungen für die „nationale Sicherheit“ und „öffentliche Ordnung“ nach sich ziehen.

Nuraini Juliastuti: Commons People, lumbung als Reisekonzept
In Zeiten der Ungewissheit stellt die wachsende Aktualität und Relevanz von Sharing- und Commoning-basierten Kulturprojekten eine Anerkennung von lumbung als eine gewisse Manier des Kunstmachens dar – doch dahinter scheint die Extraktion zu lauern.

Melani Budianta: Verhandeln über transnationales lumbung
Die Büchse der Pandora, die das lumbung-Projekt der documenta fifteen öffnet, zeigt das Problem transnationaler Verschiebung auf, indem es Belastungen durch lokale traumatische Geschichten anspricht, sowie die anhaltende Gewalt globaler Strukturen.

Nikos Papastergiadis: Die Krise Europas und die Zukunft des Multikulturalismus
Was sind die Räume für kulturelle Unterschiede, und was sind die Rituale für Gastfreundschaft?

Philippe Pirotte: Kontrollvermeidung
Über die Kultur des Kontakteknüpfens und der Zusammenarbeit, wenn man aus dem Zufluchtsort herauskommt: der größte Skandal des lumbung-Vorhabens für diejenigen, die von Hierarchie und Kontrolle abhängig sind.

Kurzbiografien der Sprecher*innen

Charles Esche ist Direktor des Van Abbemuseums in Eindhoven, Professor für zeitgenössische Kunst und Kuratieren am Central Saint Martins, UAL, London, sowie Co-Direktor von Afterall Journal and Books. Er ist Dozent für Ausstellungswesen am CSM und an der Jan van Eyck Academie in Maastricht. Er war Co-Kurator von Power and Other Things, Europalia, BOZAR, Brüssel 2017; Art Turns, Word Turns, Museum MACAN, Jakarta 2017; Le Musée Égaré, Kunsthall Oslo 2017 und Printemps de Septembre, Toulouse 2016; Jakarta Biennale 2015; 31. Sao Paolo Biennale 2014; U3-Triennale, Ljublijana, 2011; RIWAQ Biennale, Palästina, 2007 und 2009; Istanbul Biennale, 2005; Gwangju Biennale, 2002, sowie von weiteren internationalen Ausstellungen. Er ist Vorsitzender des Kunstzentrums CASCO in Utrecht. 2012 wurde er mit dem Prinzessin-Margriet-Preis und 2014 mit dem Preis des CCS Bard College für kuratorische Exzellenz ausgezeichnet.

Hilmar Farid ist Historiker und Kulturaktivist. In den 1990er Jahren war er in der prodemokratischen Bewegung aktiv. Er ist Gründungsmitglied von Jaringan Kerja Budaya, einem Kollektiv von Künstler*innen und Kulturarbeitenden aus den frühen 1990er Jahren, ebenso wie von dem Institut für indonesische Sozialgeschichte im Jahr 2000. Er lehrte einige Jahre lang Geschichte und Kulturwissenschaften am Jakarta Arts Institute sowie an der University of Indonesia. Farid wurde an der National University of Singapore mit einer Dissertation zu Pramoedya Ananta Toer und der Politik der Dekolonisierung in Indonesien promoviert. Er war aktives Mitglied bei ARENA (Asian Regional Exchange for New Alternatives) sowie bei der Inter-Asia Cultural Studies Society. Am 31. Dezember 2015 wurde er nach einem langwierigen Auswahlverfahren zum Generaldirektor für Kultur im Bildungs- und Kulturministerium der Republik Indonesien ernannt.

John Roosa ist außerordentlicher Professor am Institut für Geschichte der University of British Columbia in Vancouver, Kanada. Er hat viele Jahre lang in Indonesien gelebt und ist Verfasser der Bücher Pretext for Mass Murder: The September 30th Movement and Suharto’s Coup d’Etat in Indonesia (2006) und Buried Histories: The Anti-Communist Massacres of 1965–1966 in Indonesia (2020).

Nuraini Juliastuti ist eine translokale praktizierende Forscherin und Autorin, die sich auf Kunstorganisation, Aktivismus, Illegalität und alternative Kulturproduktion konzentriert. Juliastuti war 1999 Mitbegründerin des Kunci Study Forum & Collective in Yogyakarta, Indonesien. Sie promovierte am Institut für Kulturanthropologie und Entwicklungssoziologie der Universität Leiden. 2020 wechselte sie mit einem Postdoctoral Fellowship in Worlding Public Cultures at The Arts and Social Innovation an die Amsterdam School of Cultural Analysis an die Universität Amsterdam. Juliastuti entwickelt auch Domestic Notes, ein publikationsbasiertes Projekt, das häusliche und migrantische Räume als Orte nutzt, um Alltagspolitik, die Organisation provisorischer Unterstützungssysteme und alternative kulturelle Produktion zu diskutieren. Mit ihrer Familie betreibt sie einen kleinen Verlag, Reading Sideways Press, um Werke und Übersetzungen zu Kunst, Sport und Literatur zu veröffentlichen.

Melani Budianta ist Professorin für Literatur- und Kulturwissenschaft an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der University of Indonesia sowie Mitglied der Inter-Asia Cultural Studies Society. Seit den späten 1980er Jahren hat Budianta zu Gender- und Kulturaktivismus geforscht und geschrieben. Ihre Artikel wurden in wissenschaftlichen Zeitschriften, Zeitungen und Magazinen veröffentlicht. Während der Asienkrise 1997/1998 nahm sie an der indonesischen Frauenbewegung teil. 2020 präsentierte Melani Budianta ihren Vortrag Lumbung Budaya Sepanjang Gang or Cultural Granaries Along the Alleys, der vom Jakarta Art Council organisiert wurde.

Nikos Papastergiadis ist Direktor der Forschungsabteilung zu öffentlicher Kulturarbeit, die an der University of Melbourne angesiedelt ist. Er ist Professor an der School of Culture and Communication an der University of Melbourne sowie – zusammen mit Scott McQuire – Gründer des Forschungsclusters Spatial Aesthetics. Zu seinen Publikationen gehören Modernity as Exile (1993), Dialogues in the Diaspora (1998), The Turbulence of Migration (2000), Metaphor and Tension (2004), Spatial Aesthetics: Art Place and the Everyday (2006), Cosmopolitanism and Culture (2012), Museums of the Commons (2020) sowie On Art and Friendship (2020). Er ist Autor zahlreicher Essays, die in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden und in bedeutenden Katalogen etwa der Biennalen von Sydney, Liverpool, Istanbul, Gwangju, Taipeh, Lyon, Thessaloniki und der dOCUMENTA (13) erschienen sind.

Philippe Pirotte ist beurlaubter Professor für Kunstgeschichte und Kuratorische Studien an der Städelschule Frankfurt, Adjunct Senior Curator am UC Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive und Associate Curator am Gropius Bau in Berlin. Im Oktober 2021 organisierte er The Color Curtain and The Promise of Bandung, eine Gesprächsreihe zur Neubewertung der asiatisch-afrikanischen politischen Vorstellungskraft. Jetzt bereitet er in Zusammenarbeit mit der Gruppe von Künstlern*innen und Kuratoren*innen der Roundtables die Ausstellung Bandung Spirits vor, die im Herbst 2023 in Berlin gezeigt wird.

Sprache

Englisch mit deutscher Simultanübersetzung

Barrierefreiheit

Zugang: Ebenerdiger Eingang über die Obere Königsstraße. Der Eingang über die Treppenstraße ist aufgrund mehrerer Stufen nicht rollstuhlgerecht zugänglich, jedoch kann die zweite Ebene des ruruHaus durch einen internen Aufzug (140 x 160 cm) erreicht werden.

Anfahrt

Reno-Space (Eingang über Treppenstraße) und im YouTube-Livestream

Obere Königsstraße 43, 34117 Kassel

ˇ

Infos

Ort: ruruHaus Reno-Space (Eingang über Treppenstraße) und im YouTube-Livestream

Sprachen: Deutsch, Englisch

Kategorien

nongkrong unterhalten

Jetzt teilen

Twitter Facebook Mail

Newsletter