Sakuliu

Sakuliu wurde in das alte Gründergeschlecht des Paiwan-Stammes Parilayan geboren, ein austronesisch sprechendes, Indigenes Volk im Süden Taiwans. Sein Vorname Sakuliu bedeutet „Pfeil“, worin eine Konnotation anklingt: „vorwärts gehen, gründlich nachdenken und sorgfältig planen“. 

Porträt von Sakuliu

Sakuliu, 2021, Foto: Cudjuy Pahaulan

Sein Familienname Pavavalung heißt so viel wie „das Geräusch wachsender Samen in der Erde“ und wird von den Dorfbewohner*innen der malang-Familie zugeordnet, die im Wortsinn eine „Verbreiterin von Schönheiten“ ist. In dem Bewusstsein einer mit seinem Namen verbundenen Aufgabe ist er nicht nur bestrebt, seine Handwerkskunst so auszuführen, wie es von Männern einer pulima-Familie erwartet wird – einer Familie, deren Mitglieder in Kunst und Handwerk hoch qualifiziert sind –, sondern auch, wie ein puqulu zu denken, ein weiser Mensch. Sakuliu ist entschlossen, durch seine Praxis das Wiederaufleben und den Erhalt der Kultur zu fördern. Er beschreibt sich selbst als einen Wassertropfen, der das Land nähren kann, so wie Wissen die Menschen nährt.

Seit den frühen 1980er Jahren hat Sakuliu mit den Stammesältesten Feldforschung betrieben, um ihre Weisheit zu dokumentieren, und mithilfe der Malerei hielt er Muster und Formen alter Keramikgefäße, traditioneller Kostüme sowie anderer Haushaltswaren der Paiwan-Kultur fest. Zudem brachte er der jungen Generation bei, traditionelle Schieferhäuser zu bauen und verschiedene Materialien zum Schnitzen und Gestalten zu verwenden. Dahinter steckt der Wunsch, diese kulturellen Symbole mitsamt ihrem Spirit weiterzugeben und so eine lebendige Reflexion über das Aufeinandertreffen der traditionellen und modernen Kultur zu verkörpern. 

Sakuliu ist zutiefst besorgt über den Einfluss der ausländischen Kolonialmächte auf die Indigene Kultur der Insel, die sie nacheinander besetzt haben. Aus diesem Grund hat er das Konzept der Tribe School ins Leben gerufen und versucht, ein Ökosystem für traditionelles Wissen aufzubauen und so Bewegungen in Richtung eines ethnischen Bewusstseins in Gang zu setzen. In den letzten Jahren hat er sich auf die Erforschung der klassischen Paiwan-Kosmologie konzentriert und seine Untersuchungen in Wort und Bild umgesetzt.

Sakuliu gewann 2018 den National Culture and Arts Award in der Kategorie Bildende Kunst und ist damit der erste Angehörige der Indigenen Bevölkerung Taiwans, dem diese Ehre zuteilwurde. Zur 59. Biennale di Venezia 2022 ist er eingeladen, eine Einzelausstellung im Taiwanesischen Pavillon zu entwickeln.

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